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Schlumberger Kellerwelten

Gewölbter Kellersaal mit Infotafeln, Rüttelpulten und einer Eisskulptur in den Schlumberger Kellerwelten.
Ziegelgewölbe-Tunnel mit Rüttelpulten voller Sektflaschen in den Schlumberger Kellerwelten.
Beleuchtetes Dokument mit handgeschriebenem Text und einer Flaschenillustration im Schlumberger Museum.
Hochformat-Blick in den beleuchteten Gewölbekeller-Tunnel mit Rüttelpulten in den Schlumberger Kellerwelten.
Adriana im gewölbten Kellergang der Schlumberger Kellerwelten während einer Führung.
Nahaufnahme von hintergrundbeleuchteten Sektflaschen kopfüber in Rüttelpulten bei den Schlumberger Kellerwelten.
Dreieckige Holzinstallation mit Schlumberger-Flaschen und Adlerwappen zwischen gestapelten Kisten im Keller.

Schlumberger Kellerwelten

Karte 90 Min.
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Die Schlumberger Kellerwelten sind Österreichs älteste Sektkellerei im 19. Wiener Bezirk Döbling, im historischen Viertel Heiligenstadt.

Gegründet 1842 von Robert Alwin Schlumberger, der sein Handwerk bei Ruinart in Reims erlernte, dem ältesten Champagnerhaus der Welt, erstreckt sich der Keller über 2,4 Kilometer unterirdische Gewölbe, die teils über 300 Jahre alt sind. Bei Selbstführungen mit Audioguide oder bei geführten Touren an Freitagen und Samstagen erfährst du, wie Schlumberger seinen Sekt nach der Méthode Traditionnelle herstellt - der gleichen Technik wie in der Champagne. Jede Tour endet mit einer Verkostung, bei der du je nach gebuchtem Paket vom Sparkling Brut bis zu sortenreinen Reserven probierst.

Die Kellerwelten beherbergen außerdem den Art Floor, einen Galerieraum für zeitgenössische Kunst, und einen Escape Room im Jahr 1880. Eine Seite Wiens, die die meisten Gäste nie entdecken - und eines der stimmungsvollsten Kellererlebnisse in ganz Europa.

Öffnungszeiten +43 1 3682258631 Website Barrierefreier ZugangQuelle: Google Maps
Adresse:
Heiligenstädter Straße 39
1190 Wien

Tickets


Muvamo-Meinung

Die Schlumberger Kellerwelten produzieren seit 1842 Sekt in Wien - was allein schon zu den ungewöhnlicheren Dingen gehört, die man an einem Samstagnachmittag in der Stadt tun kann.

Wir waren bei der geführten Tour und haben rund eine Stunde erfahren, wie traditionell flaschenvergärter Sekt entsteht: von der Cuvée-Entscheidung bis zu dem Moment, in dem der gefrorene Hefepfropfen durch den Eigendruck der Flasche herausschießt. Beide Formate haben ihre Stärken. Die Selbstführung mit Audioguide (in 8 Sprachen) lässt dir Zeit zum Verweilen. Die geführte Tour bringt die persönliche Ebene - jemand, der den Prozess wirklich kennt und die unvermeidliche Frage beantworten kann, warum das Rütteln (das manuelle Drehen der Flaschen, um den Hefeabsatz zu verschieben) so einfach aussieht, aber tatsächlich echtes Können erfordert. In beiden Fällen siehst du dieselben Keller und hörst dieselbe Geschichte.

Der DOM-Keller ist der architektonische Höhepunkt jedes Besuchs in den Schlumberger Kellerwelten - ein kathedralenförmiger unterirdischer Raum, der auf Karl Ritter von Ghega zurückgeht, den Ingenieur der Semmeringbahn. Die Proportionen sind unerwartet großzügig: 500 Quadratmeter Gewölbedecke, warmes Licht auf altem Ziegelstein.

Bei der Verkostung am Ende kommt alles zusammen. Je nach gewähltem Paket schließt du mit einem oder mehreren Gläsern Sekt ab - frisch, feine Perlage, unverkennbar österreichisch im Charakter. Mit 13-23 € pro Person inklusive Verkostung ist das ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis für das, was du bekommst: echtes Erbe, spannendes Produktionswissen und Sekt, den du tatsächlich gerne trinkst.

Nützliche Tipps

  • Tickets am besten online buchen – die Kapazität ist begrenzt und Online-Buchung wird empfohlen.
  • Öffnungszeiten der Schlumberger Kellerwelten: Donnerstag 16-20 Uhr, Freitag und Samstag 12-20 Uhr.
  • Geführte Touren in den Schlumberger Kellerwelten gibt es auf Deutsch freitags und samstags um 16 und 18 Uhr.
  • Der Audioguide für die Selbstführung ist in 8 Sprachen verfügbar (Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Japanisch, Chinesisch) – kostenlos aufs Handy laden oder ein Gerät vor Ort ausleihen.
  • Anfahrt: U4 oder U6 bis Spittelau (kurzer Fußweg) oder Straßenbahn D bis Radelmayergasse.
  • In den Gewölben der Schlumberger Kellerwelten herrschen ganzjährig rund 13-15 °C. Nimm auch im Sommer eine leichte Jacke mit – du bist 45-60 Minuten unter der Erde.
  • Verschiedene Ermäßigungskarten (Vienna Pass, NÖ-Card, ÖAMTC, Vienna City Card) werden akzeptiert – auf der Website findest du aktuelle Details, da die Einlösemethoden je nach Karte variieren.
  • Im Shop vor Ort gibt es alle Schlumberger-Produkte zu Ab-Hof-Preisen.

Kulinarische Highlights

  • Der Heurige Mayer am Pfarrplatz ist nur eine kurze Straßenbahnfahrt entfernt in Heiligenstadt - perfekt im Anschluss für lokalen Wein und traditionelle Wiener Brettljause in einem Haus, in dem einst Beethoven lebte.

Geheimtipps

  • Der Escape Room (eröffnet 2022) spielt in den tatsächlichen historischen Kellergewölben, nicht in einem nachgebauten Raum. Die Story dreht sich um Robert Alwin Schlumbergers verschollenes Rezept im Jahr 1880. Für Gruppen von 2-6 Personen, Preise von 20-42,50 € pro Person je nach Gruppengröße.

Bonus Infos

  • Kombinier den Kellerbesuch mit einem Abendessen in Heiligenstadt oder Nussdorf für einen ganzen Weinviertel-Abend. Die Gegend hat einige der besten Heurigen Wiens.
  • Schlumberger-Flaschen sind ausgezeichnete Mitbringsel - unverwechselbar österreichisch, schön verpackt, und etwas, das man zuhause nicht einfach so bekommt.

Von Reims nach Wien: Die Geburt des österreichischen Sekts

Die Geschichte von Schlumberger beginnt nicht in Wien, sondern in Reims - der Hauptstadt der Champagne. Robert Alwin Schlumberger, 1814 in Stuttgart geboren, musste nach dem Tod seines Vaters sein Studium abbrechen und begann eine Kaufmannslehre. Sein Weg führte ihn schließlich zu Ruinart Père et Fils, dem ältesten Champagnerhaus der Welt, gegründet 1729. Dort ließ er sich zum Kellermeister ausbilden und stieg zum Produktionsleiter auf, wobei er jedes Detail der Méthode Traditionnelle erlernte - des aufwendigen Verfahrens zur Herstellung von Schaumwein durch Flaschengärung.

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Tausende Flaschen lagern in traditionellen Rüttelpulten in den über 300 Jahre alten Ziegelgewölben.

Sein Leben nahm 1841 bei einer Bootsfahrt auf dem Rhein eine entscheidende Wendung, als er Sophie Kirchner kennenlernte, die Tochter eines Wiener Fabrikanten. Die Werbung verlief rasch, doch Sophies Eltern weigerten sich, ihre Tochter nach Frankreich ziehen zu lassen. Also folgte Robert ihr nach Österreich - und brachte die Kunst der Champagnerherstellung mit.

Prickelnder Aufstieg zur kaiserlichen Gunst

1842 gründete er sein Unternehmen und begann als Erster in Österreich, Schaumwein aus heimischen Trauben nach französischer Methode herzustellen. Die Produktion startete auf Weingütern in Bad Vöslau südlich von Wien, an den Hängen des Goldeck. Die Qualität war herausragend. Bereits 1846 brachte Schlumberger seinen ersten Sekt auf den Markt und gewann Medaillen, und der "Schlumberger Champagner" wurde rasch zum Lieblingsgetränk der Wiener Gesellschaft. Bei der Weltausstellung 1862 in London schaffte es sein "Sparkling Vöslauer" auf die Weinliste von Queen Victoria. Sein Sohn Otto erhielt 1895 die Ernennung zum k.u.k. Hoflieferanten und festigte damit das Prestige der Marke.

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Die stimmungsvolle Ausstellungsroute führt durch Gewölbekammern mit historischen Exponaten und Rüttelpulten.

Robert Alwin Schlumberger war auch über den Sekt hinaus ein Pionier. Er kultivierte als Erster Cabernet Sauvignon und Merlot in Österreich, importierte die Reben aus Frankreich und pflanzte sie in seinen Vöslauer Weingärten. 1878 wurde er für seine Verdienste um den österreichischen Weinbau mit dem Titel "Edler von Goldeck" geadelt. Er starb 1879, das Unternehmen führten seine Söhne Otto, Gustav und Robert II. weiter.

Die Keller: 300 Jahre unter der Erde

Die Keller in Heiligenstadt, durch die Gäste heute gehen, haben ihre eigene bemerkenswerte Geschichte. Die Gewölbe sind über 300 Jahre alt, doch es war Karl Ritter von Ghega, der sie Mitte des 19. Jahrhunderts zu ihrer heutigen Größe ausbaute und verband. Ghega wurde später als Ingenieur der Semmeringbahn berühmt - der ersten Gebirgseisenbahn der Welt und der ersten Eisenbahnstrecke auf der UNESCO-Welterbeliste (seit 1998). Seine Arbeit an den Schlumberger Kellerwelten ist weniger bekannt, doch der kathedralenförmige DOM-Keller mit seinem markanten Portal bleibt ein außergewöhnliches Stück unterirdischer Architektur.

Durch Kriege, Verträge und Neuanfänge

Im 20. Jahrhundert erlebte das Unternehmen tiefgreifende Umbrüche. Nach dem Vertrag von Saint-Germain 1919 durften österreichische Produzenten die Bezeichnung "Champagner" nicht mehr verwenden, obwohl sie die identische Herstellungsmethode nutzten. Der Zusammenbruch der Habsburgermonarchie zerstörte zudem traditionelle Exportmärkte, und die ursprüngliche Produktionsstätte in Bad Vöslau musste aufgegeben werden. Die Familie behielt die Eigentümerschaft über beide Weltkriege hinweg, bis Robert Schlumberger IV. seine Anteile 1973 an die Underberg-Gruppe verkaufte.

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Eine dekorative Brunnenskulptur markiert eine der Schmuckkammern tief im Kellerkomplex.

Heute ist Schlumberger Österreichs größter und traditionsreichster Sektproduzent. 1994 erhielt das Unternehmen als erste Sektkellerei im deutschsprachigen Raum die ISO-9001-Zertifizierung, und nach wie vor wird jede Flasche ausschließlich aus österreichischen Trauben nach der traditionellen Methode hergestellt. 2025 eröffnete Schlumberger eine neue Produktionsstätte in Müllendorf im Burgenland, während der Firmensitz und die Schlumberger Kellerwelten in ihrem historischen Zuhause in der Heiligenstädter Straße verblieben - wo weiterhin unzählige Flaschen unter denselben Bedingungen reifen, die Ghegas Ingenieurskunst vor über 170 Jahren ermöglichte.

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Wir empfehlen, die Tickets vorab online zu kaufen, besonders an stark besuchten Tagen. Das ist bequemer als der Kauf vor Ort und sichert dir dein Wunsch-Zeitfenster ohne Anstehen.