Walzer, Feuerwerk und die Strauss-Dynastie - House of Strauss
Eine Eröffnung am Wiener Stadtrand
Das Casino Zögernitz eröffnete am 21. Juni 1837 als Unterhaltungslokal am damaligen Rand Wiens. Johann Strauss I spielte beim Eröffnungskonzert, und das Haus wurde rasch zu einer gefragten Adresse für Konzerte, Bälle und gesellschaftliche Anlässe.
Sowohl Johann Strauss Vater als auch Sohn traten über die folgenden Jahrzehnte regelmäßig im Casino Zögernitz auf. Im Sommer 1850 veranstaltete Johann Strauss II hier ein großes Volksfest mit Illuminationen und Feuerwerk und komponierte eigens dafür den Walzer Johannis-Käferln (Op. 82). Auch Joseph Lanner und Carl Michael Ziehrer - zwei weitere Größen der Wiener Tanzmusik - spielten im Haus. Der Strauss-Saal mit seiner außergewöhnlichen natürlichen Akustik wurde zu einem der wichtigsten Konzertsäle der Stadt. Ab 1967 diente er als Aufnahmeort für Alte und Klassische Musik, unter anderem für Einspielungen mit dem Dirigenten Nikolaus Harnoncourt und seinem Concentus Musicus.

Vom Verfall zur Restaurierung
Im 20. Jahrhundert ging es mit dem Gebäude bergab. Zwischenzeitlich befand sich im Erdgeschoss sogar eine Apotheke, während die oberen Räume ungenutzt blieben - weit entfernt von den Ballabenden, die einst Wiens Gesellschaft anzogen. Immobilienentwickler Hermann Rauter und seine Familie begannen 2017 mit einer umfassenden Sanierung, bei der die denkmalgeschützte Bausubstanz erhalten und moderne Technik integriert wurde. Die Restaurierung legte originale Bemalungen, Deckenfresken, Tapetenlithografien und die charakteristischen Marmorböden wieder frei.
Das House of Strauss eröffnete am 25. Oktober 2023 - dem 198. Geburtstag von Johann Strauss II. Das Ausstellungsdesign stammt vom international renommierten Atelier Brückner, dessen Portfolio das Grand Egyptian Museum in Gizeh und das Museum of the Future in Dubai umfasst. Für die Innenraumgestaltung zeichnete Denis Košutić verantwortlich, und die historischen Inhalte wurden von Prof. Norbert Rubey vom Wiener Institut für Strauss-Forschung kuratiert, das heute seinen ständigen Sitz im Gebäude hat. Geleitet wird das Institut von Prof. Dr. Eduard Strauss, dem Urgroßneffen von Johann Strauss II, dessen Sohn Thomas den Audioguide des Museums spricht.

Eine Dynastie in zehn Räumen
Die 2.000 m² große Ausstellung im Obergeschoss erzählt die Geschichte der Strauss-Dynastie - Johann I, Johann II, Josef und Eduard - in zehn thematischen Räumen, die ihr Leben, ihre Kompositionen und die gesellschaftlichen Umbrüche Wiens im 19. Jahrhundert beleuchten. An interaktiven Stationen kannst du deinen eigenen Walzer komponieren und sogar digital in Szenen aus Strauss-Operetten auftreten. Das Oktogon im Erdgeschoss widmet sich der Geschichte des Donauwalzers, der traditionell als Zugabe beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker gespielt wird und jedes Jahr in über 90 Länder übertragen wird.
Seit 2024 finden im restaurierten Strauss-Saal regelmäßig Konzertabende mit einem hauseigenen Orchester statt, das Werke von Strauss und Mozart aufführt, begleitet von einer synchronisierten Lichtshow. Die New York Times hat das House of Strauss bereits zweimal als Top-Attraktion in Wien empfohlen, und die Verbindung aus Museum, Konzerten und dem hauseigenen Restaurant SIMON macht es zu einer der stimmigsten Kulturadressen der Stadt.


























































































































