Dein nächstes Abenteuer

Judenplatz

Weitwinkelblick auf den Judenplatz in Wien mit dem Holocaust-Mahnmal und den umliegenden historischen Gebäuden.
Barockgebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert rund um den Judenplatz in Wien.
Der Judenplatz im Ersten Bezirk in Wien, das historische mittelalterliche jüdische Viertel mit dem Holocaust-Mahnmal.
Kopfsteinpflaster am Judenplatz in Wien mit mittelalterlichen archäologischen Markierungen des jüdischen Viertels.
Gotthold-Ephraim-Lessing-Denkmal am Judenplatz in Wien.
Weitwinkelblick auf den Judenplatz in Wien mit dem Holocaust-Mahnmal und den umliegenden historischen Gebäuden.

Judenplatz

Karte 30 Minuten
Affiliate-Links: Mit * markierte Links sind Affiliate-Links. Wir erhalten möglicherweise eine Provision ohne Mehrkosten für dich. Unsere Empfehlungen bleiben unabhängig.

Der Judenplatz gehört zu den stillsten und zugleich eindringlichsten Orten Wiens, mitten im 1. Bezirk. Hinter dem ruhigen Kopfsteinpflaster verbirgt sich eine vielschichtige Geschichte von jüdischem Leben, Verlust und Erinnerung. Im Mittelalter war dieser Platz das Zentrum der jüdischen Gemeinde Wiens, heute dient er als öffentlicher Raum und Gedenkort zugleich. In seiner Mitte steht das nüchterne Holocaust-Mahnmal von Rachel Whiteread, und unter der Oberfläche liegen die archäologischen Überreste einer Synagoge aus dem 14. Jahrhundert, zugänglich über das Museum Judenplatz im Misrachi-Haus.

Adresse:
Judenplatz
1010 Wien

Tickets


Muvamo-Meinung

Der Judenplatz hinterlässt Eindruck, nicht durch Pracht, sondern durch seine stille emotionale Wucht.

Architektonisch hat der Platz Klasse: würdevolle Stadthäuser mit klaren Linien und dezenten Pastelltönen rahmen den Raum und schaffen eine ruhige, fast abgeschiedene Atmosphäre. In der Mitte steht Rachel Whitereads Namenlose Bibliothek, ein minimalistisches Mahnmal aus Beton, gegossen von Bibliotheksregalen, verschlossen und anonym. Es steht für den Verlust der jüdischen Gemeinschaft und ihrer ungeschriebenen Geschichten. Schön im klassischen Sinn ist es nicht, aber zutiefst berührend. Wahrscheinlich wirst du länger stehenbleiben als geplant. Nimm dir danach ruhig ein paar Minuten in einem der Cafés rund um den Platz. Bei gutem Wetter setzt du dich nach draußen, bestellst einen Kaffee oder ein Glas österreichischen Wein und lässt den Ort auf dich wirken.

Wer einen Platz verstehen will statt ihn nur zu fotografieren, ist hier richtig. Der Judenplatz spricht alle an, die sich für Kultur, Geschichte und nachdenkliches Reisen interessieren. Große Menschenmengen oder Selfie-Sticks findest du hier nicht, dafür Substanz, Feingefühl und die Möglichkeit, Wiens nachdenklichere Seite kennenzulernen.

Nützliche Tipps

  • Für den Platz und das Mahnmal im Freien brauchst du kein Ticket.
  • Verbinde den Besuch mit dem nahegelegenen Jüdischen Museum in der Dorotheergasse.

Kulinarische Highlights

  • Café Central liegt nur fünf Gehminuten entfernt und eignet sich perfekt zum Nachsinnen bei Kaffee und Wiener Mehlspeisen. Am besten reservierst du vorab einen Tisch: Reservierung hier.

Geheimtipps

  • Die kleine Gasse hinter dem Misrachi-Haus bietet ungewöhnliche Blickwinkel auf den Platz und selten gesehene Perspektiven auf das Mahnmal.

  • Achte auf die bronzenen Steine der Erinnerung, etwas größere Gedenktafeln bündig im Pflaster, die an Opfer erinnern. In der unmittelbaren Umgebung des Judenplatz findest du außerdem mehrere Stolpersteine. Sie markieren, wo einst jüdische Bewohner:innen lebten, eingraviert mit Namen, Geburtsdaten und Deportations- oder Todesdaten. Besonders beachtenswert: Drachengasse 2 (etwa 2 Minuten südöstlich), wo mehrere Steine an Mitglieder derselben Familie erinnern; Sterngasse 2, direkt hinter dem Platz nahe der Judengasse (ca. 3 Minuten); Wipplingerstraße 13, gleich um die Ecke, nahe dem Bank Austria Kunstforum.

Bonus Infos

  • Gönn dir eine ruhige Pause in einem der Cafés am Judenplatz. Viele haben Schanigärten mit Blick auf den Platz.
Fotospots & Highlights
Holocaust-Mahnmal am Judenplatz in Wien, Betonmahnmal von Rachel Whiteread aus dem Jahr 2000 für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah.
Holocaust-Mahnmal am Judenplatz in Wien, Betonmahnmal von Rachel Whiteread aus dem Jahr 2000 für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah.Der Judenplatz im Ersten Bezirk in Wien, das historische mittelalterliche jüdische Viertel mit dem Holocaust-Mahnmal.Holocaust-Mahnmal am Judenplatz in Wien (Shoah-Mahnmal).Rachel Whitereads Holocaust-Mahnmal am Judenplatz in Wien, eine Bibliothek aus Beton mit unerzählten Geschichten, fertiggestellt im Jahr 2000.Weitwinkelblick auf den Judenplatz in Wien mit dem Holocaust-Mahnmal und den umliegenden historischen Gebäuden.Jüdisches Museum Wien am Judenplatz.

Namenlose Bibliothek (Holocaust-Mahnmal)

Das Mahnmal wurde von Rachel Whiteread entworfen und am 9. Oktober 2000 enthüllt. Der Betonquader mit nach innen gewandten Buchrücken erinnert an die rund 65.000 österreichischen Jüdinnen und Juden, die zwischen 1938 und 1945 deportiert und ermordet wurden. An der Stelle der archäologischen Überreste der mittelalterlichen Synagoge gelegen, macht es den Judenplatz zu einem Ort kollektiven Gedenkens und stiller Einkehr.

Karte
Fotos
Gotthold-Ephraim-Lessing-Denkmal am Judenplatz in Wien, Bronzestatue von 1935 als Symbol der religiösen Toleranz.
Gotthold-Ephraim-Lessing-Denkmal am Judenplatz in Wien, Bronzestatue von 1935 als Symbol der religiösen Toleranz.Gotthold-Ephraim-Lessing-Denkmal am Judenplatz in Wien.Barockgebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert rund um den Judenplatz in Wien.

Gotthold Ephraim Lessing-Denkmal

Die Bronzestatue des Aufklärungsschriftstellers Gotthold Ephraim Lessing wurde 1935 vom Bildhauer Siegfried Charoux geschaffen und stand ursprünglich am Judenplatz, bis die Nationalsozialisten sie 1938 entfernten. 1968 wiederhergestellt und neu aufgestellt, steht sie für Lessings Ideale von Toleranz und Vernunft: ein humanistisches Zeichen an einem von der Geschichte gezeichneten Ort.

Karte
Fotos

Der Judenplatz: Ein Ort mit Geschichte(n)

Der Judenplatz war im Mittelalter das Zentrum der jüdischen Gemeinde Wiens. Im 13. und 14. Jahrhundert blühten hier jüdisches Leben, Gelehrsamkeit und Handel. 1421 fand diese Zeit ein gewaltsames Ende: Während der Wiener Gesera wurde die jüdische Bevölkerung unter Herzog Albrecht V. vertrieben, viele wurden ermordet. Die Synagoge wurde zerstört, und über Jahrhunderte blieb die jüdische Vergangenheit des Platzes verschüttet.

Erst bei Ausgrabungen in den 1990er-Jahren kamen die Überreste der mittelalterlichen Synagoge wieder zum Vorschein. Sie bilden heute den Kern des Museum Judenplatz, das im Jahr 2000 eröffnete.

Im selben Jahr wurde das Holocaust-Mahnmal von Rachel Whiteread enthüllt. Im Volksmund als "Namenlose Bibliothek" bekannt, erinnert es an die 65.000 österreichischen Jüdinnen und Juden, die im Holocaust ermordet wurden. Die nach innen gewandten Buchrücken stehen für unerzählte Geschichten und nie gelebte Leben. Am Sockel sind die Namen nationalsozialistischer Konzentrationslager eingraviert, die Besucher:innen leise mit dem Ausmaß des Verlusts konfrontieren.

Judenplatz - 1
Rachel Whitereads Holocaust-Mahnmal am Judenplatz in Wien, eine Bibliothek aus Beton für unerzählte Geschichten, fertiggestellt im Jahr 2000.

Ein Detail, das eilige Besucher:innen oft übersehen: die Statue von Gotthold Ephraim Lessing, dem deutschen Schriftsteller und Verfechter religiöser Toleranz. Lessing hat nie in Wien gelebt, doch seine Ideale haben gerade an diesem Ort eine besondere Resonanz.

Heute ist der Judenplatz Gedenkstätte und lebendiger Stadtplatz zugleich. Restaurierte Fassaden, das minimalistische Mahnmal und die mittelalterlichen Ruinen unter der Oberfläche ergeben zusammen ein vielschichtiges historisches Erlebnis, das Wiens wachsende Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit spürbar macht.

Tickets

Wir empfehlen, die Tickets vorab online zu kaufen, besonders an stark besuchten Tagen. Das ist bequemer als der Kauf vor Ort und sichert dir dein Wunsch-Zeitfenster ohne Anstehen.