Café Prückel - Ein Kaffeehaus mit Geschichte
Als Café Lurion 1903 eröffnet, reihte sich das Kaffeehaus am Stubenring 24 schnell in die Riege der großen Ringstraßen-Cafés ein, die dem Wiener Bürgertum und der Kunstszene als erweiterte Wohnzimmer dienten.
Der entscheidende Wendepunkt kam ein halbes Jahrhundert später. 1954/55 beauftragten die Besitzer den österreichischen Modernisten Oswald Haerdtl mit einer umfassenden Neugestaltung. Seitdem gab es nur behutsame Restaurierungen - der Raum sieht noch fast genauso aus wie am Abend der Wiedereröffnung im Herbst 1955. Das macht das Café Prückel zu einem der besterhaltenen Beispiele österreichischen Mid-Century-Cafédesigns.

In seinen über 120 Jahren ist das Prückel der Wiener Kaffeehaustradition treu geblieben: Marmortische mit Zeitungen, dicker Schaum auf der Melange und die Erlaubnis, stundenlang bei einer einzigen Tasse zu verweilen. Stammgäste reichten von Architekturstudierenden der Angewandten gegenüber bis hin zu Schriftsteller:innen. Die Klavierabende (Montag, Mittwoch und Freitag um 19:00) bewahren den geselligen Geist.
Heute dominieren auf der Karte nach wie vor die Klassiker - Einspänner, hausgebackener Apfelstrudel und ein bemerkenswert gutes Wiener Schnitzel - während WLAN, reichlich Steckdosen und späte Öffnungszeiten die Klientel im Gleichgewicht halten: zwischen Laptop-Kreativen und zeitungsfaltenden Traditionalisten. In einer Stadt, in der viele historische Cafés auf neobarocke Pracht setzen, bietet die lichte, optimistische 50er-Jahre-Ästhetik des Prückel ein anderes Stück Geschichte - ohne sich wie eine Kulisse anzufühlen. Genau diese Authentizität ist der Grund, warum Einheimische dir sagen werden: Das Prückel ist keine nostalgische Staffage, sondern ein lebendiger Teil des Wiener Alltags.





























































































