© SK Rapid | Widner
Das Wiener Derby gehört zu den seltenen Sportereignissen, die dir etwas Echtes über eine Stadt verraten. Wenn SK Rapid Wien und FK Austria Wien aufeinandertreffen, spürst du es. Die Anspannung ist real, die Rivalität persönlich, und sie reicht über ein Jahrhundert zurück. Wer als Besucher:in ein Derby miterlebt, erlebt Wien aus einer völlig anderen Perspektive: weit weg von Schlössern und Kaffeehäusern, mitten im emotionalen Herzland der Stadt.
Am Sonntag, dem 10. Mai 2026, treffen Rapid und Austria zum 350. Mal in einem Pflichtspiel aufeinander. Das ist ein Meilenstein, den weltweit nur wenige Fußball-Rivalitäten erreichen. Das Spiel findet im Allianz Stadion in Hütteldorf statt, Rapids Heimstätte, im Rahmen der Meistergruppe der österreichischen Bundesliga. Anstoß ist voraussichtlich um 17:00 Uhr.
Allein in dieser Saison hat das Derby schon für Drama gesorgt. Austria gewann die ersten beiden Begegnungen (3:1 im September und 2:0 im Februar), bevor die 349. Auflage am 12. April 1:1 endete. Das 350. verspricht ein weiteres spannendes Kapitel, denn beide Klubs kämpfen noch um Punkte im Titelrennen.

Mehr als ein Spiel: Die Geschichte des Wiener Derbys
Die Geschichte beginnt am 8. September 1911 auf dem WAC-Platz im Wiener Prater. Rapid, bereits als wettkampffähiger Verein etabliert, traf in der ersten Runde der neu geschaffenen österreichischen Meisterschaft auf die „Amateure" (der ursprüngliche Name von FK Austria Wien). Rapid gewann 4:1. Es war erst Austrias zweites offizielles Ligaspiel überhaupt.
Was folgte, war Dominanz. Rapid gewann alle ersten 11 Derbys, bevor Austria am 11. November 1917 endlich einen 1:0-Sieg schaffte. Zehn Jahre dauerte es bis zum ersten Unentschieden, 33 Jahre bis zum ersten torlosen.
Die Rivalität geht tiefer als Fußball. Rapid wurde 1897 als Arbeiterverein gegründet, einer der ersten in Österreich. Austria dagegen war ein „bürgerlicher" Klub. Bei der Gründung gab es sogar einen „Intelligenzparagraphen" - Mitglieder brauchten ein gewisses Bildungsniveau. Diese Klassenschranke prägte die Identität beider Fanlager über Jahrzehnte und hallt bis heute in der Kultur rund um beide Vereine nach.
Das Jahrhundertderby
Wenn ein Spiel den Geist dieser Rivalität einfängt, dann das Derby vom 17. September 1950. Rapid lag 4:5 zurück und drehte das Spiel in den letzten 30 Minuten zum 7:5. Es heißt bis heute „Jahrhundertderby" und gilt als eines der dramatischsten Fußballspiele, die je in Österreich stattfanden.
Rekorde und Zahlen
In über 115 Jahren Derby-Geschichte führt Rapid die Gesamtbilanz mit mehr Siegen als Austria. Der höchste Sieg gehört ebenfalls Rapid: ein 9:0 im Jahr 1916 und ein 10:1 im Jahr 1942. Austrias höchster Sieg gelang 1969 mit 6:0, in der Bundesliga-Ära 2018 mit 6:1. Bemerkenswert: Kein Verein ist je aus der höchsten Spielklasse abgestiegen. Beide spielen seit 1911 ununterbrochen in Österreichs oberster Liga - das macht das Wiener Derby zum am längsten ununterbrochenen Derby im europäischen Fußball.
Das 350. Wiener Derby im Allianz Stadion
Das Allianz Stadion in Hütteldorf ist seit 2016 Rapids Heimat. Gebaut auf demselben Gelände wie das legendäre Gerhard-Hanappi-Stadion (das von 1977 bis 2014 stand), fasst es 28.345 Zuschauer:innen bei nationalen Spielen. Das Stadion ist kompakt und steil, darauf ausgelegt, den Lärm zu verstärken. Die geschlossenen Ecken erzeugen eine Klangwand, die man nicht so schnell vergisst.
Das Herz der Atmosphäre sitzt auf der Südtribüne (Block West), wo Rapids leidenschaftlichste Fans die Gesänge und Choreografien starten. An Derby-Tagen schwappt die Energie in jeden Winkel des Stadions. Der Gästesektor ist in einer Ecke untergebracht, mit separatem Eingang.
Die Anreise ist unkompliziert. Die U4 fährt bis zur Endstation Hütteldorf, von dort sind es etwa 10 Minuten zu Fuß zum Stadion. Auch S-Bahn und Westbahn halten in Hütteldorf. Die Straßenbahnlinie 49 bringt dich zur Haltestelle „Deutschordenstraße", noch näher am Stadion. An Spieltagen ist die Gegend rund um den Bahnhof schon rund zwei Stunden vor Anpfiff gut besucht.
Tickets für das Wiener Derby sind schnell vergriffen. Rapid verteilt sie üblicherweise über das Mitglieder- und Abonnement-System. Verfügbarkeit prüfst du auf skrapid.at. Für neutrale Besucher:innen sind Karten auf der Allianz Tribüne (Haupttribüne) oder der Nordtribüne (Familientribüne) die beste Wahl. Gästetickets für Austria-Fans werden über FK Austria Wien vergeben und sind in der Regel begrenzt.
Rund um das Allianz Stadion wird es schon lange vor dem Anpfiff lebendig. Entlang der Strecke von der Station Hütteldorf zum Stadion öffnen an Spieltagen Bars, Imbissstände und Getränke-Stände, und direkt am Stadion gibt es genug Möglichkeiten, ein Bier zu trinken, bevor die Tore öffnen. Es lohnt sich, früh da zu sein, allein wegen dieser Atmosphäre.
Warum das Wiener Derby auch für Besucher:innen zählt
Du musst kein Fan des österreichischen Fußballs sein, um ein Wiener Derby zu genießen. Die Atmosphäre allein macht den Besuch lohnenswert. Das hier ist Wien ungefiltert: laut, emotional, und zutiefst lokal. Die Choreografien, die Gesänge, die Spannung in der Luft, wenn ein Tor fällt. Diese Seite der Stadt findest du in keinem Museum.

Es gibt dir auch einen Blick darauf, wie Wiener Identität funktioniert. Das Grün-Weiß von Rapid und das Violett von Austria sind nicht nur Vereinsfarben. Sie stehen für Grätzel, Familientraditionen und ein Zugehörigkeitsgefühl, das seit Generationen weitergegeben wird. Frag jemanden aus Wien, auf welcher Seite er steht, und du bekommst eine Geschichte, nicht nur eine Antwort.
Wer um den 10. Mai 2026 in Wien ist, sollte den Tag rund um das Spiel planen. Komm früh, genieß die Stimmung rund um Hütteldorf, trink ein Bier und lass dich von der Atmosphäre tragen.
Einkehren vor dem Derby: Wo du mit Freunden essen und trinken kannst
Ein Derby-Tag verdient einen ordentlichen Auftakt. Ob du dich vor dem Spiel mit Freunden triffst oder in der Innenstadt etwas essen willst, bevor es zum Allianz Stadion geht: Hier sind unsere Empfehlungen aus dem Muvamo-Portfolio.
Bier und Beilagen nahe dem Stadion: Brandauer’s Schlossbräu in Hietzing ist der perfekte Stopp vor dem Spiel, wenn du gutes Bier mit Stadionnähe verbinden willst. Das historische Brauhaus liegt direkt gegenüber dem Hietzinger Tor, dem Eingang zu Schloss Schönbrunn, und serviert hauseigenes Märzen, Zwickl und Saisonbiere zu deftiger österreichischer Küche. Der Biergarten unter den Kastanien füllt sich an sonnigen Tagen schnell. Von Hietzing ist das Allianz Stadion nur eine kurze U4-Fahrt bis Hütteldorf oder ein längerer Spaziergang durch das Viertel. Komm zum späten Mittagessen, teil dir ein Schnitzel und ein paar Bier mit Freunden und roll mit der richtigen Energie ins Stadion.
Für den Pub-Auftakt vor dem Anpfiff: Flanagans Irish Pub im 1. Bezirk ist Wiens erste Adresse für ein Bier mit Freunden vor dem Spiel. Mehrere Bildschirme, eine lebhafte Menge, sauber gezapftes Guinness und solides Pub-Essen. An großen Spieltagen baut sich die Stimmung früh auf, wenn sich Fans sammeln, bevor es zum Stadion geht. Hier kommst du auch leicht mit anderen Fans ins Gespräch. Triff deine Gruppe hier, komm in Stimmung und nimm dann die U4 vom Karlsplatz nach Hütteldorf. Die Fahrt dauert etwa 20 Minuten, plan also deinen Aufbruch entsprechend.
Für Craft-Beer-Fans: Die 1516 Brewing Company, ebenfalls im 1. Bezirk nahe der Wiener Staatsoper, braut vor Ort und serviert eine wechselnde Auswahl an Craft-Bieren neben österreichischer Pub-Küche. Die Stimmung ist entspannt und gesellig, und auf den Bildschirmen laufen Sportübertragungen. Ein guter alternativer Startpunkt, wenn deine Gruppe gutes Bier mit Derby-Energie verbinden will, bevor es mit der U4 nach Hütteldorf geht.
Für Wiener Küche nahe dem Stadion: Das Plachutta Stammhaus Hietzing liegt nahe Schönbrunn und ist nur eine kurze U4-Fahrt von Hütteldorf entfernt. Das ist das Stammhaus der Familie Plachutta, berühmt für den Tafelspitz im Kupfertopf. Ideal, wenn du vor dem Spiel in Ruhe gut essen willst. Reservier rechtzeitig, besonders am Wochenende.
Für den schnellen Bissen: Wenn die Zeit knapp ist und du schon im Zentrum bist, ist der Bitzinger Würstelstand bei der Albertina der schnellste Weg, dich auf Wiener Art zu stärken. Käsekrainer und Bier, im Stehen, Ellbogen an Ellbogen mit Opernbesucher:innen und Einheimischen. Fünf Minuten, und die Stimmung passt.
Praktische Tipps für den Derby-Tag
Anreise zum Stadion: Nimm die U4 bis Hütteldorf (Endstation). Von dort folgst du der Menge. Der Weg dauert etwa 10 Minuten. Sei mindestens 90 Minuten vor Anpfiff da, um die Atmosphäre rund um das Stadion zu genießen.
Rapid Shop und Rapideum: Der offizielle Rapid-Fanshop liegt direkt am Stadion und lohnt einen Stopp vor dem Spiel. Im selben Gebäude befindet sich das Rapideum, Rapids Vereinsmuseum, das über 125 Jahre Klubgeschichte mit Trophäen, Trikots und Memorabilia dokumentiert. Wenn du früh da bist, eine gute Einstimmung.
Bezahlen im Stadion: Du kannst mit Kreditkarte zahlen oder die „Rapid-Marie" nutzen, eine aufladbare Cashless-Karte, die am Eingang erhältlich ist. Nicht verbrauchtes Guthaben wird an den Automaten im Stadion oder an den Rückgabeschaltern nach dem Spiel erstattet.
Essen und Trinken im Stadion: Hungrig bleibst du hier nicht. Das Allianz Stadion hat über 20 Kioske auf allen Tribünen verteilt, die Schlangen gehen schnell voran. Die Auswahl reicht von klassischer österreichischer Stadionkost bis zu Fassbier. Du bist nie mehr als ein kurzer Weg vom nächsten Snack entfernt, also musst du dich vorher nicht eindecken, wenn du lieber im Stadion isst.
Was anziehen: Zieh dich dem Wetter entsprechend an. Das Stadion ist offen, und Mai-Abende können kühl werden. Mehrere Schichten sind schlau. Wenn du als neutraler Gast da bist, trag kein Trikot oder Farben der Auswärtsmannschaft in den Heimsektoren. Das gilt für jedes Fußballspiel, aber besonders beim Derby. Bleib bei neutraler Kleidung, wenn du keinen Platz im ausgewiesenen Gästeblock hast, und du wirst einen entspannten Abend haben.
Sicherheit: Das Wiener Derby hat eine leidenschaftliche Geschichte, und die Sicherheitsvorkehrungen sind entsprechend. Folge den Anweisungen der Ordner:innen und der Polizei, bleib in deinem zugewiesenen Sektor, und du wirst einen großartigen Abend erleben. Die große Mehrheit der Fans ist wegen des Fußballs, der Gesänge und des gemeinsamen Erlebnisses da.
Nach dem Spiel: Die U4 und die Züge ab Hütteldorf werden direkt nach dem Schlusspfiff voll. Wenn du es nicht eilig hast, warte 20 bis 30 Minuten, trink noch was in der Nähe des Bahnhofs und lass die erste Welle vorbeiziehen.
Wiens Fußballkultur ist vielleicht nicht das Erste, woran du bei einer Reiseplanung denkst. Aber ein Derby gibt dir etwas, das kein Museum und keine Schlossführung je könnte: den Sound von 28.000 Menschen, denen etwas am Herzen liegt, alle an einem Ort, für 90 Minuten. Das 350. Wiener Derby ist ein Meilenstein, den es sich lohnt mitzuerleben.







