Wiener Sommer sind lang und warm, mit Tageshöchstwerten meist zwischen 25 und 30 °C und Hitzewellen, die im Juli und August auch über 35 °C klettern. Die gute Nachricht: Wien versteht es, kühl zu bleiben. Dicke Steinmauern, tiefe Weinkeller, schattige Schlossgärten und ein Fluss mitten durch die Stadt sorgen dafür, dass Abkühlung nie weit ist. Das sind die kühlen Orte in Wien, an die wir flüchten, wenn das Pflaster zu glühen anfängt, und die meisten davon gehören ohnehin zum Schönsten, was die Stadt zu bieten hat.
Ab in den kühlen Untergrund

Am schnellsten verlierst du zehn Grad, wenn du unter die Straße steigst. Wien ruht auf einem Netz aus Kellern und Krypten, die selbst in der heißesten Woche kühl bleiben.
Den Anfang machen die Schlumberger Kellerwelten in Heiligenstadt, wo sich rund 300 Meter gewölbte Tunnel aus dem 19. Jahrhundert unter den Straßen entlangziehen. Die Keller halten genau die Temperatur, die Sekt zum Reifen braucht, also bleibt es angenehm frisch, während du hindurchgehst, und am Ende der Führung wird verkostet. Älter und stimmungsvoller geht es in den Katakomben unter dem Stephansdom zu, die bei regelmäßigen Führungen in die kühlen Steinkammern öffnen, die einst als Begräbnisstätte der Stadt dienten.
Tritt in eine Kirche ein

In Wiens Kirchen ist es dank dicker Mauern und kleiner Fenster oft rund 10 °C kühler als auf der Straße. Sie sind kostenlos, ruhig und zentral, perfekt für eine Pause zwischen zwei Stationen.
Das Mittelschiff vom Stephansdom bleibt kühl, auch wenn der Platz davor in der Sonne brütet. Ein paar Minuten weiter verbindet die Peterskirche ihr kühles Barockinneres an den meisten Nachmittagen mit kostenlosen klassischen Konzerten, du kannst dich also im Schatten hinsetzen und eine halbe Stunde zuhören. Die Karlskirche und die neugotische Votivkirche lohnen aus demselben Grund einen Abstecher: kühle Luft, weiches Licht und ein Ort zum Durchatmen.
Verbring den Nachmittag im Museum

Museen halten ihre Säle klimatisiert, um empfindliche Gemälde und Objekte vor der Hitze zu schützen, und sind damit ganz nebenbei die verlässlichsten kühlen Orte in Wien. Ein Nachmittag drinnen mit Weltklasse-Kunst ist eine der einfachsten Arten, die heißesten Stunden des Tages auszusitzen.
Am Maria-Theresien-Platz stehen sich das Kunsthistorische Museum und das Naturhistorische Museum in zwei baugleichen Palästen gegenüber, du hast also die Wahl zwischen Kunst und Dinosauriern, oder nimmst gleich beides mit. Im MuseumsQuartier zeigt das Leopold Museum die weltweit größte Schiele-Sammlung, das mumok widmet sich der modernen und zeitgenössischen Kunst, und die schattigen Höfe liegen gleich vor der Tür, wenn du eine Pause brauchst. Die Albertina nahe der Oper ist eine kühle, ruhige Adresse, und im Belvedere wartet Klimts Der Kuss in klimatisierter Frische.
Welche sich wirklich lohnen, liest du in unserem eigenen Guide: Museen in Wien.
Finde Schatten in einem Schlossgarten

Wien hat über tausend Parks und rund eine halbe Million Bäume, eine schattige Bank ist also selten ein Problem. Am angenehmsten sind die alten, großen Gärten, mit hohen Bäumen und viel Platz zum Ausbreiten.
Der Burggarten und der Volksgarten liegen direkt hinter der Hofburg, Letzterer mit Rosengarten und dem kleinen Theseustempel in der Mitte. Der Stadtpark folgt einem grünen Abschnitt des Wienflusses, und die Gärten von Schönbrunn sind frei zugänglich, mit langen, schattigen Alleen hinauf zur Gloriette. Wenn Kinder dabei sind, ist der Prater die sichere Wahl: Seine Hauptallee zieht sich kilometerweit unter alten Kastanien entlang, mit Spielplätzen und Wiesen rechts und links.
Ab ans Wasser

Wenn es richtig heiß wird, zieht es die Wiener:innen direkt an die Donau. Die ruhigen Seitenarme sind sauber, zum Schwimmen geeignet und bequem mit der U-Bahn erreichbar.
Die Donauinsel ist die lange, autofreie Insel mitten im Fluss, gesäumt von Wiesen und ruhigen Badestellen (nimm die U1). Die Alte Donau ist die sanftere Variante: ein stiller, seeartiger Arm, in dem du schwimmen, ein Tretboot mieten und bei Das Bootshaus direkt am Wasser zu Mittag essen kannst. Für Sand und echtes Strandbar-Gefühl liegt Copa Beach gleich bei der U1-Station Donauinsel. Und wer lieber zentral bleibt, findet am Donaukanal schattige Bars und Liegen, ein paar Minuten von der Altstadt entfernt. Alles bestens geeignet für Familien, die sich abkühlen wollen, ohne die Stadt zu verlassen.
Flüchte in die Hügel

Der Wienerwald umschließt den Westrand der Stadt, und die Luft dort oben ist spürbar kühler und frischer, mit einer Brise, die du unten in den Straßen nicht spürst.
Der Kahlenberg ist der Klassiker, mit schattigen Waldwegen, Weingärten und einem weiten Blick über die Dächer von ganz oben. Der Leopoldsberg nebenan ist ruhiger und genauso schön, und der Cobenzl bringt dieselbe kühle Luft mit einer Wiese zum Picknicken. Alle drei erreichst du mit dem Bus, und alle drei belohnen dich mit Aussicht.
Die schönsten Blicke über die Stadt findest du in unserem Guide zu den besten Aussichtspunkten in Wien.
Mach eine kühle Kaffeepause

Das Wiener Kaffeehaus ist für genau solche Tage gemacht: hohe Decken, Marmortische, dicke Mauern und ein Ober, der dich gern eine Stunde lang bei einem Getränk sitzen lässt. Im Sommer bestellst du am besten einen Wiener Eiskaffee, kalten Kaffee mit zwei Kugeln Vanilleeis und Schlagobers obendrauf.
Das Gerstner gegenüber der Oper an der Kärntner Straße zieht sich über mehrere elegante Etagen mit Marmor und Lustern, in denen es angenehm kühl bleibt. Das Café Sperl hält sein Interieur von 1880 schattig und unaufgeregt, und Demel verbindet den kühlen Raum mit einer Mehlspeisvitrine, für die sich der Umweg lohnt.
Mehr zum Ritual und wo du es findest, liest du in unserem Guide zur Wiener Kaffeehauskultur.
Praktische Tipps für heiße Tage in Wien
Gratis nachfüllen: Wien hält über tausend öffentliche Trinkbrunnen mit frischem Quellwasser bereit, nimm also eine Flasche mit und füll sie unterwegs auf. An den heißesten Tagen schaltet die Stadt zusätzlich Sommerspritzer mit feinem Sprühnebel auf Plätzen und in Parks ein.
Den richtigen Zeitpunkt wählen: Leg dein Sightseeing im Freien auf den frühen Morgen oder den Abend, und nutz die Mittagsstunden für ein Museum, eine Kirche oder ein langes Essen drinnen.
Leicht packen: Leinen und Baumwolle, ein Hut, Sonnencreme und bequeme Schuhe fürs Pflaster. Am Wasser kann es abends rasch abkühlen, eine dünne Schicht zum Drüberziehen hilft.
Wann es heiß wird: Juli und August sind die wärmsten Monate, aber auch Juni und September bringen noch Hitzetage, ein Blick auf die Vorhersage lohnt sich also, bevor du einen ganzen Tag draußen planst.
Hitze muss eine Wienreise nicht ausbremsen, sie verschiebt nur, wo du den Nachmittag verbringst. Keller, Kirchen, Museen, schattige Gärten und die Donau gehören alle zur selben Stadt, und die Hitze ist ein guter Grund, eine andere Seite davon kennenzulernen. Alles Weitere, das sich lohnt, findest du in unserem ganzen Wien-Reiseführer.








