Von der Copa Cagrana zu Wiens Stadtstrand: Pier 22 & Copa Beach
Die Geschichte dieses Abschnitts der Neuen Donau erzählt viel über Wiens Verhältnis zu seinem Fluss. Als die Donauinsel zwischen 1972 und 1988 als gewaltiges Hochwasserschutzprojekt entstand, war die 21 Kilometer lange künstliche Insel vor allem eine technische Lösung. Erholung kam erst danach. Doch die Wiener:innen eroberten die Ufer schnell als ihr sommerliches Wohnzimmer, und Mitte der 1980er hatte sich nahe der Reichsbrücke eine lose Ansammlung aus Bars, Imbissständen und saisonalen Clubs gebildet. Das war die Copa Cagrana, benannt mit einem Augenzwinkern in Richtung Rio und seiner Copacabana, auch wenn die Realität deutlich rauer ausfiel.
Jahrzehntelang funktionierte die Copa Cagrana. Die Stimmung war ungezwungen, das Bier kalt, und nach einer Reservierung fragte niemand. Doch in den 2010ern war die Infrastruktur merklich in die Jahre gekommen. Die hölzernen Barbauten verfielen, die Barrierefreiheit war schlecht, und das Areal wirkte zunehmend unübersichtlich. Die Stadt entschied sich für eine komplette Neugestaltung.

Copa Beach: die Verwandlung am Festland
Zwischen 2018 und 2020 wurde die Festlandseite des Ufers in das verwandelt, was heute Copa Beach heißt. Im Mittelpunkt der Gestaltung standen offene Sichtachsen, Grünflächen und freier öffentlicher Zugang, dazu eine ausgewählte Mischung aus Restaurants und Bars. Es entstanden zwei Sandstrände, dazu Duschen, Liegen (kostenlos) und großzügige Rasenflächen. Die 500 Meter lange Promenade wurde in drei Zonen gegliedert: einen ruhigeren Bereich zur Stadt hin, eine zentrale Gastromeile und eine Badezone direkt am Wasser. Mediterrane Bepflanzung mit Olivenbäumen, Oleander und Palmen ersetzte die alte Betonoptik. Wer Wiens Wasserlagen breiter erkunden will: Der Donaukanal zeigt nur wenige Kilometer flussaufwärts einen völlig anderen Charakter.
Pier 22: die Verwandlung auf der Insel
Auf der anderen Seite des Wassers stand die größere Verwandlung erst noch bevor. Die „Sunken City“, wie das Pendant auf der Donauinsel hieß, war ein dichtes Flickwerk aus alternden Barbauten mit kaum freiem öffentlichem Raum am Wasser. Ab 2023 beauftragte die Stadt das Architekturstudio mostlikely damit, das gesamte 13.000 Quadratmeter große Areal neu zu gestalten. Das Projekt lief in drei Bauphasen:
Der erste Abschnitt (fertig im Sommer 2024) brachte barrierefreie Badeplattformen mit begrünten Inseln, Liegenetzen, Holzdecks und schattigen Sitzbereichen. Der zweite Abschnitt (fertig im Sommer 2025) ergänzte eine Outdoor-Fitnesslandschaft, weitere Badestellen und Trinkbrunnen. Der überdachte Multisportplatz mit 90 Photovoltaikelementen eröffnete im Herbst 2025; die letzte Etappe 2026 brachte das Insel-Restaurant, das am 18. Mai 2026 offiziell eröffnete.

Der Name „Pier 22“ wurde per öffentlicher Abstimmung gewählt: Über 9.000 Menschen machten mit, und er gewann klar. Die „22“ verweist auf Wiens 22. Bezirk, die Donaustadt, in der das Areal liegt.
Herausgekommen ist ein öffentlicher Uferraum, der verändert hat, wie dieser Abschnitt der Neuen Donau genutzt wird. Wo die frühere Sunken City dicht bebaut und von Bars, Lokalen und Nachtleben geprägt war, ist Pier 22 bewusst offener, grüner und konsumfrei. Zusammen mit dem Copa Beach am gegenüberliegenden Ufer macht es das Baden und Verweilen an der Neuen Donau leichter und zugänglicher, ganz ohne dass man für einen Tisch oder ein Getränk zahlen muss.



















































































































































